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Predigt 3. Sonntag der Osterzeit – D. Bolz

L I: Apg 3,12a.13-15.17-19 / Ev: Lk 24, 35-48

Schwestern und Brüder!
Haben Sie es noch im Ohr? In der Mitte der vorhin gehörten Lesung sagt Petrus: „Dafür sind wir Zeugen!“ und der Schlusssatz des heutigen Evange-liums lautet aus dem Mund Jesu: „Ihr seid Zeugen dafür!“ Was die Frohe Botschaft also braucht sind: Zeugen! Da ist nicht die Rede von Theologen und Amtsträgern oder von Professoren und Fachleuten. Sicherlich: Das alles braucht es womöglich auch. Aber zuallererst braucht das Evangelium Zeuginnen und Zeugen: Menschen, die nicht nur etwas von oder über Jesus Christus wissen, sondern die ihm und seinem Wort so begegnet sind, dass da Begeisterung in ihnen entfacht wurde und sie antreibt, diese Botschaft weiterzutragen und aus ihr zu leben.
Mich treibt dabei die Frage um: Trifft das auf mich zu? Kann ich das wirklich von mir behaupten? Was kann ich denn bezeugen oder womit andere be-geistern? Sicherlich: Wir feiern hier miteinander Gottesdienst und erinnern uns an den Ursprung unseres Glaubens. Aber reicht das aus, um sich als Zeugin oder Zeugen zu bezeichnen? Wobei was braucht denn ein Zeuge? Er braucht vor allem eines: Er muss von etwas überzeugt sein. Und da sind für mich die Frauen und Männer um Jesus ganz wichtige Vorbilder. Wie schwer taten sie sich mit dieser Zeugenschaft und ihrer eigenen, inneren Überzeugung. Da war am Anfang der Vorbehalt, dieser Botschaft von der Auferstehung überhaupt zu trauen. Lange heißt es doch nur: „Sie erschraken und hatten große Angst.“ Und Petrus wird mit Sicherheit nicht vergessen haben, wie viel Anfechtungen ihn durchgeschüttelt haben und wie schnell seine Treueschwüre bei der Passion Jesu in sich zusammengebrochen sind.
Zeugin und Zeuge der Auferstehungsbotschaft zu sein heißt deshalb für mich nicht – unanfechtbar im Glauben zu sein. Dafür sind die Freundinnen und Freunde Jesu der beste Beweis. Sie sind ja fast wider Willen zu Zeuginnen und Zeugen geworden. Und Petrus sagt ja auch nicht: „Auf unsere Überzeugung könnt ihr bauen!“, sondern nur: „Wir können nicht schweigen von dem, was wir gehört und gesehen haben.“ Und gehört und gesehen haben sie ja nicht nur den Auferstandenen, sondern sie haben ihn auch gesehen und gehört in seiner Todesangst am Ölberg. Sie waren Zeugen, als er am Kreuz geschrien hat: Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Sie alle waren also sehr wohl auch Zeuginnen und Zeugen von „begrabenen Hoffnungen!“ Wie sagten die beiden Jünger auf dem Weg nach Emmaus: „Wir aber hatten gehofft, dass er es sei, der Israel retten werde.“ Sie hatten sich also Hoffnungen gemacht. Genau diese Hoffnungen aber mussten ihnen genommen werden, damit ihnen die ganz andere Hoffnung der Auferstehung überhaupt geschenkt werden konnte.
Nun sind wir heute gerufen, gleichfalls Zeugnis zu geben für eine Wahrheit, die weit größer ist als wir sie fassen können. Wir sind gerufen Zeuginnen und Zeugen einer Hoffnung zu sein, die auch im Tod nicht zerbricht und die auch unsere eigenen Zweifel aushält. Wie aber kann das in unserem Alltag aussehen? Wie kann das funktionieren, wenn wir uns selbst unseres Glaubens oft so unsicher sind?
Erinnern wir uns an den Anfang unserer Gedanken. Zeugen der Frohen Botschaft müssen nicht wissen und machen, sondern sie müssen Feuer in sich tragen und weitertragen. Also nicht gescheite Worte machen uns zu Osterzeugen, sondern unsere Haltungen. Nicht kluge Reden machen andere neugierig auf unseren Glauben, sondern unser Verhalten, wie wir leben und miteinander umgehen. Und da möchte ich Ihnen und mir selbst gerne ein paar Ideen und Vorschläge unterbreiten:
Wir könnten doch z.B. Ostern in den Beinen haben. Was ich damit meine? Dass wir wie Jesus zu den Menschen gehen; den ersten Schritt tun; ihnen unser Entgegenkommen zeigen, auf sie zugehen. Das heißt auch: geradlinig und aufrichtig bleiben; für das Leben aufstehen und gegen alles, was andere Menschen niederdrückt oder in die Knie zwingt.
Eine andere österliche Zeugenhaltung könnte sein: Ostern in den Händen haben. Wie Jesus zupacken und Hand anlegen, wo unsere Hilfe gebraucht wird. Jemandem die Hand zur Versöhnung und zum Frieden entgegenstrecken. Anderen die Hand auf die Schulter legen und sie in einer schwierigen oder traurigen Situation trösten. Oder einen, der die Orientierung verloren hat an der Hand nehmen und ihn ein Stück seines Weges begleiten. Das wäre doch auch eine Zeugenschaft: Ostern in den Händen haben.
Jetzt könnten wir aber auch als solche Zeuginnen und Zeugen Ostern in den Augen haben. Damit meine ich, dass wir andere – so wie Jesus es getan hat – mit Respekt und Wohlwollen anschauen. Dass wir die Augen offen halten und wach bleiben für die Signale der Not, für die stummen Bitten um Anerkennung und Freundlichkeit. Denen ein Ansehen geben, die von anderen übersehen und nicht wahrgenommen werden.
Und außerdem könnten wir Ostern im Herzen haben. Zeugenschaft hieße dann, den Menschen so herzlich und offen zu begegnen wie Jesus selbst. Herzhaft und befreit lachen können, humorvoll sein und eine innere Freude ausstrahlen. Eine Freude, die nicht oberflächlich daherkommt, sondern eine „Freude mit Trauerflor“. Das hört sich zwar gewöhnungsbedürftig an, bringt aber auf den Punkt, dass wir als österliche Zeugen Krankheiten und Schmerzen, Leid und Tod nicht verdrängen müssen, weil wir ja auch den Karfreitag nicht totschweigen. Ostern im Herzen haben heißt für mich ein-fach: seine Botschaft weiterzutragen und Menschen dafür zu begeistern. Denn wenn unsere Mitmenschen diese österlichen Haltungen an uns wahrnehmen, wenn sie spüren aus welcher Kraft wir leben, dann werden sie wissen wollen, was der Grund all dessen ist. Und dann, dann können wir Ostern auch auf den Lippen haben; können wir von unserer Hoffnung erzählen, über Ostern reden und weitersagen, was für uns Auferstehung bedeutet.
Ihr seid Zeuginnen und Zeugen dafür, dass ich lebe – sagt Jesus. Ihr seid Zeugen dafür, wenn euch Ostern in Fleisch und Blut übergegangen ist; wenn ihr Ostern in den Beinen, in den Händen, in den Augen und in den Herzen habt; und wenn ihr diese österlichen Haltungen ganz unspektakulär in eurem Alltag lebt. Ganz so, wie Petrus Ceelen es einmal mit folgenden Worten beschrieben hat:
„Ich bin kein begnadeter Mensch, der allen alles ist – vielleicht aber bin ich für die eine oder den anderen eine Schwester, ein Bruder.
Ich bin kein großes Licht, das in der Finsternis leuchtet – vielleicht aber bin ich für die eine oder den anderen ein Lichtblick.
Ich bin kein Retter in der Not, der alle Probleme löst – vielleicht aber bin ich für die eine oder den anderen eine Hilfe.
Ich bin kein Märtyrer, der für seinen Glauben stirbt – vielleicht aber bin ich für die eine oder den anderen eine Stütze im Glauben.“ Amen.