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Taufe des Herrn – Predigt D. Bolz

Predigt zur Taufe des Herrn 2018
L II: 1 Joh 5, 1-9 / Ev.: Mk 1, 7-11

Schwestern und Brüder!
Gestern haben wir noch das Fest der Erscheinung des Herrn gefeiert, ab heute werden – langsam aber sicher – überall die Weihnachtsbäume entsorgt, die Krippen verpackt – es kehrt wieder Alltag ein. Auch in der Kirche endet mit dem heutigen Fest der Taufe Jesu ganz offiziell die Weihnachtszeit – also: auch hier herrscht bald wieder Alltag. Wäre es aber an einem solchen Punkt nicht mal wichtig innezuhalten und sich die Frage zu stellen: Was bleibt denn von Weihnachten, wenn all die Bäume abgeschmückt und entsorgt, die Lichterketten abgehängt und verpackt und die Krippen wieder einkartoniert und in den Schrank gestellt sind? Ist dann Weihnachten in unserem Leben auch wieder eingetütet und abgehakt bis zum nächsten Mal? Es muss sich doch irgendetwas in unserem Leben verändert haben, wenn wir Weihnachten richtig gefeiert haben. Die Frage ist nur: Was? Woran kann man erkennen, dass wir von Weihnachten, von der Menschwerdung Gottes geprägte Menschen sind?
Äußerlich wird man uns das nicht unbedingt ansehen. Schließlich laufen wir ja nicht mit einem Heiligenschein durch die Gegend, der anderen schon von weitem signalisiert: Schaut mal, da kommt eine Christin, da kommt ein Christ. Nein, ansehen kann man uns unser Christsein nicht. Genauso wenig wie man uns ansehen kann, dass wir getauft wurden und das Bekenntnis abgelegt haben: Ich glaube an diesen Jesus Christus als den Sohn Gottes. Jetzt weiß ich auch, dass wir – Sie und ich – immer wieder auf Menschen treffen die uns mit der Aussage konfrontieren: Das stimmt doch so gar nicht. Du wurdest doch als Säugling getauft, ohne dass man dich dazu vorher gefragt hätte. Und wir müssen gestehen: Diese Aussage ist richtig – zumindest in den meisten Fällen von uns. Und doch hat jede und jeder von uns im bisherigen Leben auch die Gelegenheit gehabt, selbst eine Entscheidung zu treffen und zum Beispiel in der Firmung oder durch die aktive Teilnahme am gemeindlichen und gottesdienstlichen Leben dieses damalige Taufbekenntnis unserer Eltern zu erneuern und so öffentlich zu machen, was die Eltern damals stellvertretend vollzogen haben.
Wenn wir also heute noch zur Kirche gehören – und durch die Mitfeier dieses Gottesdienstes machen Sie und ich dies öffentlich kund – dann doch deshalb, weil wir alle Menschen sind, die es ernst meinen mit dem Glauben. Also stellt sich schon auch die Frage: Woran erkennt man denn, dass wir an Jesus Christus glauben? Woran oder wodurch wird deutlich, dass wir getauft und Kinder Gottes sind; also Menschen, zu denen Gott in der Taufe dasselbe gesagt hat, was er am heutigen Tag auch zu seinem Sohn Jesus gesagt hat: „Du bist mein geliebter Sohn – du bist meine geliebte Tochter!“?
Eine Antwort auf diese Fragen finde ich im heutigen Evangelium nicht, aber im ersten Johannesbrief, den wir in der Lesung gehört haben. Da wird uns nämlich eindeutig gesagt, dass die Liebe das Erkennungszeichen schlechthin für die Kinder Gottes ist. Denn Gott ist die Liebe. Wenn uns in der Taufe der Geist Gottes eingegossen wurde; wenn seitdem das Licht von Weihnachten unser Leben bestimmt, dann, ja dann muss sich das auch in der Liebe zeigen. Wir erkennen dass wir Getaufte – also Kinder Gottes sind – nur an der Liebe zueinander. Aber genau da wird es häufig schwierig und unangenehm. Denn es ist ja nun weiß Gott nicht leicht, alle Menschen zu lieben. Mir fallen da spontan eine ganze Reihe von Menschen ein, mit denen ich mich diesbezüglich sehr schwer tue und es fallen mir noch mehr Gründe ein, warum ich bestimmte Typen einfach nicht ausstehen, geschweige denn, dass ich diese Menschen lieben kann. Aber an dem Punkt lässt Gott sich einfach nicht auf faule Kompromisse ein: Wir können mit ihm nicht in Ver-handlungen darüber eintreten, wen wir denn nun lieben sollen und wen nicht; wer es in unseren Augen wert ist, von uns geliebt zu werden und wer eben nicht. Wer Gott wirklich liebt – und ich nehme mal an, dass das für uns alle gilt – von dem erwartet Gott eben auch, dass er die Mitmenschen liebt, und zwar alle, ausnahmslos! Wie hieß der erste Satz der Lesung?: „Jeder, der glaubt, dass Jesus der Christus ist, stammt von Gott; und jeder, der den Vater liebt, liebt auch den, der von ihm stammt.“
An der Liebe muss man also erkennen können, ob wir wirklich Kinder Gottes sind; ob wir es wirklich ernst meinen mit unserer Taufe. Denn in unserer Taufe hat Gott hat uns alle – so wie damals bei Jesus im Jordan – zu seinen geliebten Töchtern und Söhnen gemacht. Weit vor irgendwelchen Katechismus- oder Dogmensätzen, weit vor jeder moralischen Forderung da steht über allem anderen diese bedingungslose Zusage Gottes: „Du bist meine geliebte Tochter, du bist mein geliebter Sohn.“
Nun leben wir heute in der Situation, dass sich zwar immer noch relativ viele Menschen taufen lassen, aber dass viele im Laufe ihres Lebens schlicht und einfach vergessen, was das eigentlich bedeutet bzw. was damit intendiert war. Mich erinnert das bisweilen ein wenig an die eher heitere Geschichte, die erzählt, wie das Kamel zu seinen Höckern kam:
„Das Kamel, das die drei Weisen zum Christkind in der Krippe begleitet hat, durfte, genau wie die Weisen, dem Kind begegnen. Und wie es dort an der Krippe kniete, da bemerkte es, dass die Sterndeuter, angesteckt vom Glanz des Christkindes, einen strahlenden Heiligenschein über dem Kopf hatten; und auch über dem Haupt des Kamels leuchtete ein Heiligenschein. Das Kamel war sehr beschämt, denn es war ja nur ein einfaches Kamel. Doch da griff das Christkind nach seinem Heiligenschein, spaltete ihn in der Mitte und legte die beiden Hälften dem Kamel auf den Rücken: „Du sollst immer an diese Begegnung denken!“ So zog das Kamel mit zwei Höckern aus dem Heiligenschein, der durch die Begegnung mit dem Christkind entzündet worden war, nach Hause. Es wurde sehr alt und hatte viele Nachkommen. Und alle diese Nachkommen hatten auf ihrem Rücken diese beiden Höcker. Aber es dauerte nicht lange und sie wussten nicht mehr, woher diese Höcker ka-men. Es waren halt nur Kamele.“
Man kann über diese Geschichte sicherlich trefflich schmunzeln. Aber ist es mit der Taufe nicht manchmal wirklich ähnlich? Natürlich tragen wir keine sichtbare Veränderung durch die Taufe davon, aber in unseren Herzen, sind wir durch die Taufe geprägt. Gott hat uns zu seinen Töchtern und Söhnen gemacht. Nur vergessen das Viele im Laufe ihres Lebens; sie vergessen, was es heißt und bedeutet, ein Kind Gottes zu sein. Wer aber in seinem Le-ben die Begegnung mit Christus immer wieder neu sucht – etwa im regelmäßigen Gebet, im Gottesdienst, in den Sakramenten oder einfach auch in der Jahr für Jahr wiederkehrenden Feier der Menschwerdung Gottes an Weihnachten, der vergisst doch auch nicht, dass er oder sie ein Kind Gottes ist. Und: durch die Begegnung mit unseren Mitmenschen – vorausgesetzt wir begegnen ihnen in aufrichtiger und wahrhaftiger Liebe und Zuneigung – da halten wir die Erinnerung an unsere Taufe gleichfalls wach. Denn sie bedeu-tet doch nichts anderes, als dass Gott uns seine Liebe ins Herz gegossen hat. Und als seine Kinder sollen wir aus dieser Liebe leben und sie weitergeben – nicht mehr, aber eben auch nicht weniger. Amen.

Bertram Bolz, Diakon