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Predigt Dreifaltigkeitsfest – D. Bolz

L II: Röm 8, 14-17 / Ev: Mt 28, 16-20

Schwestern und Brüder!
Wenn man in die theologische Literatur schaut stellt man rasch fest: Was ist da nicht alles über die göttliche Trinität spekuliert und phantasiert, konstruiert und definiert worden. Und was in diesen Büchern begonnen hat, das setzt sich in vielen anderen Texten und Predigten fort. Immer wieder neue Formulierungen, immer wieder neue Erklärungsversuche und man ist geneigt dem Spötter recht zu geben, der mal sagte: „Als Gott mehr über sich erfahren wollte, erfand er die Theologen.“
Aber Spaß beiseite: Auch bei uns „normalen“ Gläubigen kommt irgendwie keine rechte Begeisterung für diese Kurzformel unseres Glaubens auf. Am heutigen Festtag der Dreifaltigkeit, da ist nichts zu spüren von einem Glanz wie an Weihnachten, von Festlichkeit wie Ostern oder Pfingsten. Da ist keine Rede von Brauchtum wie Tannenbäume, Kerzen oder ähnlichem und es gibt auch keinen zweiten Feiertag. Also können oder müssen wir doch festhalten: Irgendwie tun wir Christen uns schwer mit diesem Fest und es deutet nichts, aber auch gar nichts darauf hin, dass wir mit Begeisterung bekennen würden: Unser Gott ist ein dreifaltiger Gott.
Können wir uns damit aber zufrieden geben? Gehört die Aussage vom dreifaltigen Gott für uns wirklich nur in eine Reihe anderer vager Bilder und Vorstellungen über Gott, die sich da so im Laufe der Zeit in unseren Köpfen eingenistet haben? Gott als der sanfte Bartträger oder der rüstige Rentner? Gott als eine Mischung aus Christkind, Goethe und dem Herrn Bundespräsidenten, wie es mal ein angesehener Literat zum Besten gab? Gehört unsere Vorstellung von dem dreifaltigen Gott vielleicht auch zu jenem Sammelsurium phantasievoller Bilder, von denen der große Theologe Karl Rahner einmal gesagt hat: „Gott sei Dank gibt es nicht das Wesen, welches sich 80% unserer Zeitgenossen unter Gott vorstellen!“
Wenn wir ehrlich sind, dann müssen wir zugeben, dass wir uns immer wieder Bilder von Gott basteln. Bilder, die wir schon durch unsere Eltern und Großeltern mitbekommen haben und die wir – mit persönlichen Anreicherungen versehen – munter an unsere Kinder und Enkel weitergeben. Dabei merken wir aber überhaupt nicht, dass sich dieser Gott gar nicht in Bilder bannen lässt; dass er zuallererst der Unbekannte, der uns wohl immer auch ein Stück weit „Fremde“ bleiben wird. Sollten wir da aber dann nicht viel sparsamer und zurückhaltender mit den Bildern und Vorstellungen umgehen, die wir von ihm so in unseren Köpfen tragen?
Zweifelsfrei sicher ist allerdings, dass dieses Wort vom Vater, Sohn und Heiligem Geist, keine Erfindung unsererseits oder der Kirche ist, sondern aus dem Munde Jesu stammt – zumindest steht es so im heutigen Evangelium. Jesus will den Jüngern und auch uns damit seinen Gott vorstellen und nahe-bringen. Und vielleicht kann uns ja genau dieses Bild vom dreifaltigen Gott durchaus behilflich sein, unsere manchmal selbst gebastelten Gottesvorstellungen zu korrigieren. Lassen wir doch diese Botschaft Jesu einfach mal auf uns wirken. Was will er uns denn damit sagen oder auch vermitteln?
Zunächst einmal erkenne ich, dass Gott Vater ist. Und als Vater hat er, wie wir alle als Eltern, ein Herz für seine Kinder. Er ist ihnen zugewandt und er fühlt mit ihnen. Gleichzeitig lässt er sie aber auch eigene Wege gehen und gibt ihnen so Raum zur ganz persönlichen Entfaltung. Das setzt allerdings voraus, dass dieser Vater Geduld mit uns hat, überaus viel Geduld. Und spontan fällt mir dazu dieses Bild vom barmherzigen Vater ein, dieses Bild weit geöffneter Arme, die den zurückkehrenden Sohn liebevoll umarmen und neu aufnehmen und verzeihen.
Dann sagt Jesus weiter, dass dieser Gott Sohn ist! Und spricht dabei von sich selbst. Er spricht von seiner eigenen Sendung, dem Weg, den er gegangen ist und weiter geht – und zwar in Einheit und Verbindung mit dem Vater. Das ist auch der Grund, weshalb Jesus immer wieder in die Stille geht, um auf das zu Hören, was der Vater ihm sagen will. Er will Gott in seinem ganzen Wesen, in seinem Handeln und Wirken, zeigen und zu den Menschen bringen. Ganz besonders deutlich wird das in seiner Zuwendung zu den Schwachen, den Chancenlosen, den Verängstigten und Kranken. Und diese Liebe, die er gegenüber diesen Menschen zeigt, die lebt er dann auch bis zur letzten Konsequenz. Auch als ihn diese Liebe das Leben kostet, als er wegen ihr zum Verbrecher abgestempelt wird und ihn die Freunde nicht mehr verstehen, da bleibt er trotzdem dieser Liebe zu den Menschen treu. Er bleibt – bis zur letzten Verlassenheit am Kreuz – auf diesem Weg der Liebe und offenbart uns so einen Gott, der sich ganz und gar den Menschen verschrieben hat.
Und dann sagt Jesus noch: Dieser Gott ist auch Hl. Geist! Er ist nicht zu fassen oder zu greifen, wie wir Gegenstände in die Finger nehmen oder auch Menschen fühlen und körperlich spüren können. Wir haben diesen Gott nicht in der Hand und er ist eben auch nicht der, den wir gepachtet haben und den wir einfach so „mir nichts dir nichts“ für uns selbst und unsere Sachen einspannen könnten. Vielmehr ist dieser Gott immer ein Geschenk. Und dieser Hl. Geist, das ist die Kraft, die von Gott ausgeht, die in unserer Geschichte am Werk ist – und die oft unerwartet und so ganz anders ist, als wir es manchmal vermuten oder auch wahrhaben wollen. Der Heilige Geist, das ist auch die versöhnende Macht, die Menschen zusammenführen und zur Gemeinschaft untereinander begeistern will. Deshalb können wir ihm nur unsere leeren Hände entgegenstrecken und ihn bitten, dass er uns für die Botschaft Gottes so begeistere und in uns zum Feuer und zum Sturm für die Liebe unter und zu den Menschen wird.
Wenn wir also sagen, Gott ist Vater, Sohn und Heiliger Geist, dann heißt das mit unseren begrenzten Worten nichts anderes als: dieser Gott ist ein Gott voller Leben; ein Gott in Bewegung; ein Gott, der immer wieder neu in uns – in Ihnen und mir – in diese Welt kommen und mit seiner Botschaft in uns Hand und Fuß werden will. Das heißt aber auch, dass dieser Gott uns gleichzeitig in sein Leben hinein holen und uns Anteil an sich schenken möchte – und indem er das tut, sendet er uns gleichzeitig aus, hinein in die Welt – hin zu den Menschen. Wo wir uns von dieser Lebendigkeit und Kraft Gottes bewegen lassen, wo wir Menschen uns von seiner Herzlichkeit und Zuneigung berühren lassen, da tritt dieser Gott dann aus allen Bildern und Wunschvorstellungen heraus und wird auch heute lebendig. Denn da kommt er durch uns zur Welt – in unseren Umarmungen, in unseren Worten und Gesten, in unserem Verzeihen und in unserer Hinwendung zu den Kranken und Schwachen dieser Zeit. Wo wir ihm und seiner Botschaft so zum Leben verhelfen, da berühren sich auch heute – im wahrsten Sinne des Wortes – Himmel und Erde.
Das Fest der Heiligen Dreifaltigkeit sagt mir, dass Gott nicht in Worten, Bildern oder Formeln stecken bleiben möchte, sondern dass er heute in unserem Leben und Handeln aufleuchten will. Also sind nicht große Worte gefragt, sondern unser Tun – Ihres und meines. Deshalb möchte ich mit dem abgewandelten Werbeslogan einer schwedischen Möbelfirma schließen: Erklärst du noch – oder lebst du schon?

Bertram Bolz, Diakon